Vom drohenden Lehrer im Klassenzimmer bis zum folgenschweren Tritt unter die Gürtellinie: Am Landgericht Stendal rollt im September 2026 eine Welle von Berufungsverfahren und großen Strafprozessen an. Die Richter verhandeln Akten aus der gesamten Altmark und den umliegenden Landkreisen. Hier ist der komplette Überblick über alle anstehenden Verhandlungen, Hintergründe und Termine.
Vorwürfe an Schulen und Übergriffe auf Jugendliche
Für Aufsehen sorgt ein Fall aus Beetzendorf (Az: 510 NBs 56/25): Einem Lehrer wird vorgehalten, am 11. Juni 2025 geschwätzige Schüler auf verstörende Weise diszipliniert zu haben. Er soll ein Messer aus seiner Aktentasche gezogen und gedroht haben, die Betroffenen damit zum Schweigen zu bringen. Nachdem das Amtsgericht Salzwedel eine Verwarnung mit Vorbehalt einer Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu je 50 Euro aussprach, legte der Pädagoge Berufung ein. Verhandelt wird vor der 10. Strafkammer am 10., 23., 25. und 28. September jeweils um 9:30 Uhr (Saal 121 bzw. 108).
Ebenfalls um Jugendliche geht es in einem Verfahren aus Schermen (Az: 510 NBs 20/26). Ein Mann soll am 22. November 2024 und 28. Februar 2025 eine 13- und eine 14-Jährige in seinem Partyraum befummelt haben. Das Amtsgericht Burg verurteilte ihn zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung. Dagegen wehrt sich der Angeklagte nun vor der 10. Strafkammer. Die Termine sind für den 8., 14. und 16. September jeweils um 9:30 Uhr in Saal 108 angesetzt.
Schwere Gewalt, Hodenverlust und versuchter Totschlag
Besonders brutal ist ein Fall aus Diesdorf (Az: 510 NBs 21/26): Am 28. Juni 2024 soll ein Mann einem Kontrahenten so heftig in den Genitalbereich getreten haben, dass das Opfer seinen rechten Hoden verlor. Das Amtsgericht Salzwedel verhängte dafür zehn Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Der Angeklagte ging in Berufung. Prozessauftakt vor der 10. Strafkammer ist am 24. September um 9:30 Uhr im Saal 121.
Zudem laufen mehrere Fortsetzungstermine großer Strafsachen: Das Schwurgericht (2. Strafkammer) verhandelt wegen versuchten Totschlags in Havelberg (Az: 502 Ks 1/26) am 2., 11. und 28. September jeweils um 9:00 Uhr in Saal 218. Die 1. Große Strafkammer setzt den Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung in Lindtorf (Az: 501 Kls 4/26) am 2. September (8:30 Uhr) und 11. September (9:00 Uhr) in Saal 121 fort. Auch der Fall einer sexuellen Nötigung in Lüderitz bei Tangerhütte (Az: 501 Kls 13/26) wird am 8. September um 9:00 Uhr in Saal 121 weiterverhandelt.
Betrug, Abzocke im Netz und Ärger in der Familie
Auch Dreistigkeit und Betrug beschäftigen die Stendaler Justiz. Ein Mann aus Gommern (Az: 510 NBs 30/26) kaufte einen PC für rund 2.800 Euro, obwohl er wusste, dass er kein Geld hatte. Er muss sich am 15. September um 9:00 Uhr in Saal 108 verantworten. Ein mutmaßlicher Internet-Betrüger aus Dannigkow (Az: 510 NBs 34/26) soll zwischen Oktober 2022 und April 2023 in sechs Fällen Messer oder Autogrammkarten angeboten, kassiert, aber nie geliefert haben. Er ficht sein Urteil von einem Jahr Haft ohne Bewährung an – Verhandlung ist am 22. September um 9:30 Uhr in Saal 121.
In Tangerhütte führte ein Familiendrama vor Gericht (Az: 511 NBs 5/26): Ein Mann soll am 9. Oktober 2025 das Portemonnaie einer Verwandten eingesteckt und vier Tage später mit deren EC-Karte und PIN 100 Euro abgehoben haben. Das Amtsgericht Stendal brummte ihm 80 Tagessätze zu je 30 Euro auf. Dagegen wehrt er sich am 8. September um 9:00 Uhr in Saal 218.
Schließlich geht es bei der 1. Großen Strafkammer um Rauschgift: Wegen eines Verstoßes gegen das Cannabisgesetz in der Altmark (Az: 501 Kls 16/26) stehen Fortsetzungstermine am 7. September (13:00 Uhr) sowie am 14. und 25. September (jeweils 10:00 Uhr) in Saal 218 an.
