Das Landgericht Stendal sieht im Juni 2026 einem enorm dichten Sitzungsprogramm entgegen. Die Strafkammern der Hansestadt müssen sich in den kommenden Wochen mit einer extremen Bandbreite an Delikten befassen – von vermeintlich kleinen Berufungsverfahren über erschütternde innerfamiliäre Gewalt bis hin zu schweren Sexualstraftaten.

Gleich zum Monatsauftakt am 2. Juni stehen zwei völlig unterschiedliche Fälle an. Zum einen kämpft ein Mann im Berufungsverfahren gegen ein einjähriges Hafturteil ohne Bewährung, weil er im Raum Burg zwei Gartenlauben geplündert haben soll. Zum anderen startet ein komplexes Sicherungsverfahren gegen einen Mann, der wegen einer paranoiden Schizophrenie im Zustand der Schuldunfähigkeit im Raum Gardelegen schwere Taten wie sexuelle Nötigung, Raub und Körperverletzung begangen haben soll (Termine am 2., 4., 22. und 24. Juni).

Tief in menschliche Abgründe blickt die Justiz am 4. Juni (sowie am 9., 10. und 11. Juni), wenn ein Mann wegen fünffacher gefährlicher Körperverletzung in Salzwedel vor der Jugendkammer steht – er soll seine eigene Mutter und seinen Bruder brutal misshandelt haben. Am 11. Juni folgen zwei weitere Prozesse: Eine intelligenzgeminderte Frau steht wegen einer Messerattacke auf eine Mitbewohnerin in Uchtspringe vor Gericht (Fortsetzungen am 15. und 18. Juni). Parallel dazu wehrt sich ein Mann gegen sechs Monate Haft ohne Bewährung, nachdem er ohne Führerschein und völlig berauscht von Amphetaminen und Kokain auf der BAB 2 erwischt wurde.

Besonders spannend wird es am 18. und 25. Juni, wenn ein Fall aus Lostau neu aufgerollt wird. Ein Mann hatte ein Opfer mit einer Bierflasche krankenhausreif geschlagen – inklusive Kieferbruch und dem Verlust von acht Zähnen. Das Amtsgericht Burg hatte den Angreifer freigesprochen, wogegen nun der schwer verletzte Nebenkläger Sturm läuft. Am 22. Juni startet zudem ein Prozess wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in Klein Engersen.

Gegen Ende des Monats, am 23. Juni, dominieren zunächst kleinere Berufungen: Eine Hundebesitzerin klagt gegen eine Geldstrafe, weil sie in Osterburg zwei Passanten attackiert haben soll, während zwei Autofahrer in Möckern und Demker wegen Trunkenheit am Steuer (1,1 und 0,9 Promille) um ihr Geld oder ihren Führerschein feilschen. Am 24. und 30. Juni wird es vor der Jugendschutzkammer wieder ernst, wenn ein Mann wegen des dreimaligen Missbrauchs seiner Ziehtochter in Groß Schwechten auf der Anklagebank sitzt.

Ergänzt wird dieser Marathon durch wichtige Fortsetzungstermine bereits laufender Prozesse: Ein Einbruchsdiebstahl aus Seehausen wird den gesamten Juni über verhandelt (1., 4., 23. und 30. Juni). Das Verfahren um einen versuchten schweren Raub in Stendal geht am 2., 3. und 8. Juni in die nächste Runde, und ein laufender Vergewaltigungsprozess aus Burg hat am 2. Juni einen weiteren entscheidenden Sitzungstag.

(Quelle: Landgericht Stendal)